Putin – Russland 2026

Putin droht jetzt mit Konsequenzen auch für mögliche Friedensgespräche. Was bedeutet das für Verhandlungen über ein Ende des Krieges?

Nico Lange: Nichts. Russland zeigt doch überhaupt keine Bereitschaft, einen Waffenstillstand einzugehen oder von seinen Maximalforderungen abzurücken. Es ist keinerlei Verhandlungsbereitschaft erkennbar. An dem Punkt, dass man mit Russland verhandeln würde, sind wir ja noch gar nicht. Die Gespräche in den letzten Wochen drehen sich um die Frage, ob man sich zwischen Ukraine, USA und Europäern auf einen gemeinsamen Rahmen einigen kann. Das ist leider nicht vollständig gelungen. Insofern müssen erstmal die Bemühungen weitergehen, sich zwischen der Ukraine, den USA und Europa zu koordinieren – das scheint schwierig genug, weil Trump unberechenbar ist und die Europäer zu wenig Verpflichtungen eingehen wollen.

Will Trump überhaupt eine vollständig geeinte Position mit der Ukraine und Europa? Das würde doch seinen Spielraum einengen, am Ende einen Deal mit Putin auszuhandeln.

Lange: Die Lage ist noch viel schlimmer. Einerseits will Trump nur, dass das Problem irgendwie aus der Welt geschafft wird – egal wie. Er ist sehr anfällig dafür, die russische Position zu übernehmen und die Ansicht zu vertreten, die Ukraine solle einfach aufgeben, dann herrsche Frieden. Andererseits haben die Europäer keine andere Strategie, als zu sagen: Wir hoffen darauf, dass Trump irgendwann auf Putin böse wird. Es hat 2025 eine Reihe von Gipfeltreffen und anderen Gesprächen gegeben, um einen Waffenstillstand oder Friedensgespräche zu erreichen – in der Sache hat das überhaupt nichts gebracht. Wie viele ergebnislose Spitzentreffen kann man sich leisten? Wir haben ein doppeltes Problem: Einerseits besteht die Gefahr, dass Trump und seine Leute auf Putin hereinfallen und im Grunde eine Kapitulation der Ukraine wollen. Andererseits haben die Europäer aber keine bessere Strategie, als immer nur freundlich zu Trump zu sein und zu hoffen, dass er das Problem der europäischen Sicherheit löst. Das kann nicht funktionieren. 

Funke Medien Berlin 01.01.2026

Ende der Illusionen

+++ 08:43 Istanbul 2022 reloaded? ISW: Russland fordert weiterhin Kapitulation der Ukraine +++

Russische Beamte bekräftigen laut des „Institute for the Study of War“ (ISW) die jüngste Forderung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, künftige Verhandlungen mit der Ukraine auf die Istanbuler Protokolle von Anfang 2022 zu stützen. Die enthalten die russische Forderung nach einer vollständigen Kapitulation der Ukraine. Der russische Botschafter und ehemalige russische Besatzungsoffizier Rodion Miroshnik fordert, dass der Entwurf der Istanbuler Protokolle vom April 2022 die Grundlage für ein Abkommen zur Beendigung des russischen Krieges in der Ukraine sein könnte. Miroshnik greift damit Putins Aufruf vom 11. Mai auf, die direkten Istanbuler Verhandlungen 2022 „wieder aufzunehmen“, als Reaktion auf den gemeinsamen US-amerikanisch-ukrainisch-europäischen Vorschlag vom 10. Mai für einen allgemeinen Waffenstillstand von mindestens 30 Tagen. Miroshnik sagt zwar, dass „Anpassungen“ möglich seien, um den Veränderungen der letzten drei Jahre Rechnung zu tragen. Er besteht aber ausdrücklich darauf, dass die russischen Forderungen vom April 2022, die Ukraine solle ihre militärischen Fähigkeiten erheblich reduzieren und ihre Verfassung um eine Neutralitätsklausel ergänzen, die der Ukraine den Beitritt zu jeglichen Militärbündnissen – einschließlich der NATO – verbieten würde, unverändert bleiben. Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow fordert zudem einen Regimewechsel in Kiew. Ziel Russlands sei es, die Ukraine politisch handlungsunfähig und militärisch hilflos zu machen, so das ISW.

@ntvde 15.05.2025