Russland vernichtet die Ukraine

Marina Weisband bei Anne Will 20. März 2022

„Aber wir müssen alles machen, was für uns zur Verfügung steht, um diesen Krieg nicht mitzufinanzieren“, findet Weisband. „Denn wenn wir in der Ukraine verlieren, dann haben wir keine Garantie mehr für Frieden, weil dann nichts mehr zählt außer der Frage, wer gerade das stärkere Militär und die meisten Atomwaffen hat. Da stehen wir auf der Verliererseite.“

„Wir könnten mit einem kurzfristigen Energieembargo viel ausrichten“, sagt Weisband im Laufe der Sendung. Damit wiederholt sie einen Vorschlag des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk. Der hatte am Donnerstag in der ZDF-Sendung Maybrit Illner ein auf zwei Monate befristetes Wirtschaftsembargo gegen Russland ins Gespräch gebracht, um den Ukrainekrieg schnell zu beenden.

Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Naechsten-Winter-wird-es-keine-Ukraine-mehr-geben-article23210599.html

Putins Vernichtungskrieg gegen die Ukraine

Lässt sich feiern wie ein Popstar (18.03.2022)

Ein Stadion in Moskau voller Fahnen, jubelnde Russen und überall das Z-Symbol: Im Strickrollkragen tritt der russische Präsident Putin auf die Bühne, um das achte Jubiläum der Krim-Annexion am 18.03.2014 zu feiern.

Zum achten Jahrestag der russischen Krim-Annexion hat Kremlchef Wladimir Putin die „militärische Spezial-Operation“ in der Ukraine als „heldenhaften“ Einsatz der russischen Armee gelobt. Es würden alle Pläne umgesetzt, sagte Putin im Moskauer Luschniki-Stadion vor Zehntausenden jubelnden Russen mit Blick auf den Krieg in dem Nachbarland. (@ntvde)

Erinnert an  Goebbels’ Sportpalastrede vom 18. Februar 1943. Damit sollte die Bevölkerung nach der Niederlage in Stalingrad auf den „Totalen Krieg“ eingeschworen werden. (Wikipedia)

Jubelveranstaltung in Moskau: Putin lobt Heldenmut des russischen Militärs.
(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS) via @ntvde

Russlands Überfall auf Ukraine 03.03. 2022

Selenskyj fordert Gespräche mit Putin

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert Kremlchef Wladimir Putin zu direkten Gesprächen auf. „Wenn Du nicht (mit Deinen Truppen aus der Ukraine) abhauen willst, setz Dich zu mir an den Verhandlungstisch, ich habe Zeit“, sagt Selenskyj. „Aber nicht auf 30 Meter Abstand wie mit Macron, Scholz – ich bin doch ein Nachbar“, sagt Selenskyj. „Ich beiße nicht. Ich bin ein ganz normaler Typ. Setz Dich zu mir, sag mir, wovor Du Angst hast“. @ntvde
COOL.

© SERGEI SUPINSKY/AFP

Russlands Angriff auf die Ukraine

Die ersten Tage des Schocks sind vorbei, aber der Krieg geht mit brutaler Härte weiter, ein Ende ist nicht abzusehen. Heute verhandeln Delegationen aus der Ukraine und aus Rusland an der weißrussischen Grenze auf dem Gebiet von Belarus. Die Zusammensetzung der russischen Delegation gibt wenig Anlass zur Hoffnung.

Beratungen am 28. Februar in der Region Gomel Bild: AP

Während von Seiten der Ukraine entschlossen, mutig und überraschend erfolgreich (vielleicht ist das Letztere ja auch Ergebnis der beiden Ersten) gekämpft und Widerstand geleistet wird, an der Spitze der zum nationalen Symbol aufgestiegene Präsident Selenskyi, zieht die westliche Welt weitreichende Konsequenzen. Zu allererst liefert sie endlich taugliche Waffen zur Selbstverteidigung an die tapfere Ukraine. Sodann wird das Russland Putins (und nur dieses!) aus der internationalen Gemeinschaft wirtschaftlich, politisch, kulturell ausgeschlossen – isoliert als Paria-Staat.

Darüber hinaus aber ist von einer „Zeitenwende“ die Rede, auf jeden Fall sieht es nach einem grundlegenden Paradigmenwechsel in der Außen- und Bündnispolitik aus. Das betrifft besonders Deutschland und die deutsche Bundesregierung. Was wir hier seit Sonntag hören konnten, klingt nach einer totalen Kehrtwende und verheißt den Abschied von vielerlei Illusionen und Traumbildern einer Welt, die es in Wahrheit nie gab, – und hoffentlich die entschlossene Wende zu einer endlich realistischen, verantwortungs- und wirkungsvollen Politik gegenüber Russland und der Welt – China ist nicht weit. Wieweit die Ankündigungen umgesetzt werden, wird sich erst noch zeigen; so schnell wechselt man nicht Mentalitäten und Denkgewohnheiten, wie es jetzt allerdings erfoderlich ist

Beeindruckende Demonstrationen, gestern weit über 100.000 Menschen in Berlin und heute bei dem „Friedenskarneval“ in Köln rund 250.000 Menschen und mehr in anderen Städten, jedenfalls sehr viel mehr als sonst bei Karnevalsumzügen, wird gemeldet, zeigen, dass große Teile der Bevölkerung die Dramatik der Situation zwischen Krieg und Weltkrieg begriffen haben und die Konsequenzen, die Wirtschafts- und Verteidigungsmaßnahmen (100 Milliarden!) für die Verteidigung auch unserer Freiheit bedeuten, sehr wohl zu tragen bereit sind.

Bei der Friedensdemo in Köln dominierten am Rosenmontag die ukrainischen Farben blau und gelb. Foto: Kai Kitschenberg/FUNKE Foto Services

Wir werden es weiter verfolgen mit Schrecken und doch glühendem Herzen und wachem Verstand, wie die Welt von einem Tag auf den anderen eine andere geworden ist, – weil es einem größenwahsinnigen Diktator so gefiel. Mindestens dieses kann man über Putin sagen: Er weiß, was er tut, er will es so, er kennt keine Skupel. Einmal KGB – immer KGB. Was immer seine fixen Ideen und kruden Geschichtsvorstellungen sind, was immer ihm noch an weiterer Repression und Gewalttat bis hin zur nuklearen Option einfallen mag, – Menschen müssen es erleiden und mit dem Leben bezahlen: ein Kriegsverbrecher, der einmal vor einem Tribunal stehen sollte, zumindest vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Bis dahin wird es noch dauern. Vorher reißt er ganze Länder und auch sein eigenes, Russland, in den Abgrund. Nur Russen selber (vielleicht aus seinem nächsten Umfeld?) können ihm in den Arm fallen. Vielleicht wird die Zeit dafür bald reif sein.

Für seinen Befehl hatte Putin sich einen besonders langen Tisch ausgesucht (links im Hintergrund Verteidigungsminister Schoigu und Generalstabschef Gerassimow). (Foto: AP) @ntvde

Schon jetzt hat sich dieses bislang kurze Jahr 2022 in die grundstürzenden Ereignisse und Zeitenwenden der Jahre 1989 und 2001 eingereiht. Hoffentlich wird es nicht ein noch schlimmeres annus horribilis, wie Bertold Kohler in „Wieder Krieg“ formuliert, übrigens ein sehr treffender Kommentar.

Abgekämpft aber standhaft: Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seiner Video-Ansprache. Foto: picture alliance/dpa/Ukrainian Presidential Press Office | Uncredited

Reinhart Gruhn