Ende der europäischen Integration?

„Die Angst, dass Deutschland, statt Bündnismacht zu werden, erneut Führungsansprüche aus der Mitte hege, hat in der fragilen europäischen Ordnung immenses Sprengpotential. Die neue Angst, die von Deutschland ausgeht, ist für die Bundesregierung ein kaum manövrierbarer Drahtseilakt. Innenpolitisch wird die AfD erst einmal nicht verschwinden. Außenpolitisch ist eine Aufrüstung mit Blick auf den russischen Feind und den amerikanischen Rückzug alternativlos. Glaubhaft muss die Regierung nach außen verkörpern, dass die Aufrüstung auch weiterhin in europäische Strukturen eingebettet wird – doch in erster Linie müsste dem deutschen Wähler wieder klarer werden, welches außenpolitische Risiko von der AfD für Europa ausgeht. Dass Demokratien heute gegen russischen Autoritarismus aufrüsten, um morgen ihre hochgerüsteten Länder dem Rechtsnationalismus zu überlassen, könnte eines Tages als europäischer Treppenwitz in die Geschichte eingehen.“

>>> Warum die Zeitenwende an der AfD zerbrechen könnte <<<

@faznet Nikolai Ott 14.06.2026, 09:15

Ukraine für Schutz Europas essentiell

 Selenskyj: Ohne Ukraine könnte es für Europa schwer werden +++

Aus Sicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj braucht Europa die Ukraine für dessen Sicherheit. Der Kreml verfolge eine „langfristige, antieuropäische und antidemokratische Strategie“, warnt Selenskyj. „Angesichts der langfristigen Absichten Russlands – der Tatsache, dass russische Stützpunkte nun in der Nähe Europas gebaut werden, selbst dort, wo es zu Sowjetzeiten keine Militärstützpunkte gab – zeigt dies deutlich, dass Europa es ohne die Ukraine, ohne unsere Fähigkeiten und unsere Erfahrung äußerst schwer haben könnte“, sagt er in seiner abendlichen Videoansprache.

[neue russische Armeestützpunkte an Grenzen zu Finnland und Litauen.]

@ntv Ticker 14.06.2026, 00:01 Uhr

„Free ride“- but for USA !

  • 100,000 American troops in Europe = a free ride for Europeans? Let’s check the facts. American military bases are not free Germany, Italy, Spain, and Romania pay for the infrastructure, land, utilities, and civilian personnel of US bases. Germany alone contributes over $1 billion annually to support the American military presence on its soil.
  • Europe is the largest customer of the American defense industry F-35s, Patriot missiles, HIMARS, Apaches — all purchased by Europeans with real money. Every security alarm in Europe translates into contracts for Lockheed Martin, Raytheon, and Boeing.
  • American bases in Europe don’t only protect Europe Ramstein in Germany coordinates operations across Africa and the Middle East. Sigonella in Italy covers the Mediterranean and North Africa. Romania secures the eastern flank and the Black Sea. These are global American strategic assets — not neighborhood security for Europeans.
  • Command is American, not European NATO is always led by an American Supreme Commander (SACEUR). Europe contributes troops, bases, and money — but America holds the controls. Those who control the structure are not the ones getting a free ride.
  • The nuclear umbrella is not altruism American nuclear deterrence in Europe keeps the dollar as the world’s reserve currency, keeps European markets open to US corporations, and legitimizes American hegemony against Russia and China. But what would actually happen if America withdrew its troops from Europe?
  • For America — immediate strategic losses Without bases in Europe, American response time to any crisis in Europe, Africa, or the Middle East grows from hours to days. Ramstein, Sigonella, and Incirlik cannot be replaced by aircraft carriers. Infrastructure built over decades disappears overnight.
  • The American defense industry loses its biggest customer. A Europe without the US umbrella will build its own defense industry — and fast. Airbus Military, KNDS, Leonardo, and Rheinmetall will take the contracts that Lockheed and Raytheon currently win. Billions of dollars shift from America to Europe.
  • Dollar weakens. Dollar hegemony is partly sustained by American global military credibility. A withdrawal from Europe signals to the world that America no longer guarantees the postwar order. Alternatives — the euro, the yuan — become more attractive as global reserve options.
  • Russia wins without firing a single shot Not necessarily through immediate invasion — but through political influence, energy pressure, and the gradual destabilization of countries on the eastern frontier. The Baltic states, Poland, and Romania enter a security grey zone that no one can guarantee quickly.
  • China watches and draws conclusions about Taiwan A precedent of withdrawal from Europe sends a direct signal to Beijing: American commitments are negotiable. The cost of deterrence in the Pacific rises exponentially.
  • Withdrawal is not isolationism. It is strategic abdication. America would not be leaving Europe because it no longer has interests there. It would be leaving while ignoring that those very interests are what make it a superpower.

The „free ride“ narrative doesn’t describe Europe. It describes exactly what America has in Europe.



NATO entzaubert

Mal realistisch betrachtet zeigt sich, dass nicht nur die Bundeswehr, sondern auch große Teile der NATO Truppen aus europäischen Ländern ihren Auftrag heute nicht erfüllen können.

Albtraum: Ukrainische Drohnenpiloten radieren bei Übung ganze NATO-Bataillone aus

„Wie das angesehene Wall Street Journal (WSJ) in einem aufsehenerregenden Artikel berichtet, wurden den NATO-Truppen bei der „Hedgehog 2025” in Estland dramatisch ihre Grenzen aufgezeigt. Demnach kämpften dort 16.000 NATO-Soldaten aus 12 Staaten gegen ukrainische Drohnenteams. Der nüchterne Kommentar eines NATO-Kommandeurs danach: „Wir sind am Arsch.”

Offenbar waren die Allianztruppen mit der Art der ukrainischen Drohnenkriegsführung völlig überfordert. In einem Szenario soll ein zehnköpfiges ukrainisches Drohnenteam in nur einem halben Tag 17 gepanzerte Fahrzeuge der NATO simuliert zerstört und weitere 30 Angriffe geflogen haben. An einem einzigen Übungstag gelang es den Ukrainern, zwei ganze NATO-Bataillone kampfunfähig zu machen.“

Militär aktuell 13.02.2026

Es lohnt sich absolut, den Artikel ganz zu lesen, dabei wird es einem recht mulmig werden: Wo sind da unsere heutigen Abwehr – Fähigkeiten ?


Ergänzend:

„Die europäischen Treibstoffvorräte reichen für drei Monate Krieg“

Europa hat etwa 60 Raffinerien. „Das ist das Rückgrat unserer Treibstoffversorgung“, sagt Rheinmetall-Managerin Shena Britzen im Interview. „Kraftstoffe sind der Mittelpunkt der Verteidigungsbereitschaft. Und die größte Flanke: Strategie ist für Amateure. Profis sprechen über Logistik.“

@ntv.de 15.02.2026


Der Westen, den Rubio meint

US-Außenminister Rubio sprach in München leidenschaftlich über die „westliche Zivilisation“. Das rührte einige. Nur zur Klarstellung: Er hält es ersichtlich mit dem Geschichtsbild von Mel Gibson, es geht da weniger um die Werte der französischen Aufklärung.

Essay von Gustav Seibt Südeutsche Zeitung 15.02.2026


Wurzeln des Antiliberalismus

Der Politikwissenschaftler Robert Kagan über die tiefen Wurzeln des Antiliberalismus in den USA, Trump als Rammbock der Diktatur und Europas Zwickmühle zwischen den Raubtierimperien der Gegenwart.

Interview von Andrian Kreye

Europa muss verstehen, dass Trump und seine Bewegung Europa zutiefst feindlich gegenüberstehen. Diese Mitte-rechts- und Mitte-links-Parteien sind für sie Formen des Liberalismus, den sie ablehnen. Die deutsche, die französische, die britische Führung sind für sie genau solche Feinde wie Nancy Pelosi oder die Clintons.

Findet man da nicht über sein transaktionales Denken einen Weg?

Wir müssen aufhören, bei Trump über Transaktionen zu sprechen. Eine Transaktion ist, wenn Sie etwas bekommen und ich etwas bekomme. Was Trump will, ist Herrschaft. Wenn ihm nicht passt, was der Schweizer Bundespräsident sagt, belegt er die Schweiz mit 39 Prozent Strafzoll. Gibt es Ärger um Grönland, gibt es zehn Prozent Zoll für Europa. Da geht es nie um Geld. Nur um Macht.

Süddeutsche Zeitung, 06.02.2026