phomi: Ethik Dilemma

Falsche Alternativen führen zu falschen Schlüssen

In der gegenwärtigen Situation der Coronakrise wird die öffentliche Diskussion oftmals von Alternativen geprägt, die ethische Grundfragen berühren und zu scheinbar unausweichlichen Gegensätzen führen. Je grundsätzlicher es klingt, desto unauflösbarer scheint der Gegensatz zum Beispiel zwischen „Freiheit“ oder „Leben“. Also ein echtes Dilemma?

Man sollte aber als Beobachter und erst recht als politisch Verantwortlicher sehr wohl zu unterscheiden wissen zwischen dem, was ethisch und rechtlich geboten ist und was den Grundwerten unserer Gesellschaft entspricht, – und dem, was ins Gemeinwohl gekleidete partikulare Interessen sind, die sich einen Vorsprung oder auch nur eine zusätzliche Chance verschaffen wollen.
Mehr im Blog!

Ethik Dilemma

Polit-Blog: Langzeit-Virus

Es sieht so aus, als müssten wir uns auf eine viel längere Zeit einrichten, mit dem SARS CoV 2 Virus zu leben, als bisher gedacht. Erste Perspektiven richteten sich auf Wochen oder schlimmstenfalls Monate, bis man die Pandemie im Griff haben würde: Medikamente und bequeme Schnelltests sollten sehr bald, noch im Mai, zur Verfügung stehen, ein Impfstoff werde innerhalb kürzester Zeit gefunden werden und nach einigen Monaten notwendiger Tests dann im Laufe des Jahres 2020 oder Anfang 2021 bereit stehen. Und dann wäre der Spuk vorbei.

Coronavirus (RKI)

Von all dem ist nicht mehr viel zu hören. Erste Hoffnungen auf bekannte und gegen andere Viruserkrankungen eingesetzte Medikamente haben sich bisher nicht erfüllt.  – Der Kampf gegen das SARS CoV 2 Virus braucht viel mehr Zeit als erhofft. –
Weiterlesen im Blog publicopinia:

Langzeit – Virus

Phomi: Metaphysik

Ein Revival analytisch erneuerter Metaphysik bringt klassische Themen zurück und spannende Perspektiven in die moderne Philosophie.

Metaphysik Inkunabel

Eigentlich galt die Metaphysik lange Zeit als erledigt. Was weder analytisch (sprachlich) zu klären noch empirisch zu verifizieren ist, hat keinen Aussagewert, ist bedeutungslos, so die These. Die Geschichte der Philosophie sollte mit der Konzentration auf begriffliche Klarheit und naturalistische Wahrheit in das moderne naturwissenschaftliche Weltbild eingepasst werden. 

Seit „analytische“ Philosophinnen und Philosophen sich wieder metaphysischen Themen zugewandt haben, kann geradezu von einer Renaissance der Metaphysik sprechen, die alte Vorbehalte und Abwehrhaltungen der Logischen Empirizisten hinter sich gelassen hat.  – Mehr im Blog

Metaphysik Revival

Publicopinia: Corona-Abwehrstrategien

Es ist zu vermuten, dass sich unsere gesamte Lebenseinstellung im Laufe der Corona-Pandemie verändern wird. Zwischen den Erfordernissen der wissenschaftlich begründeten und politisch gesteuerten Pandemie-Bewältigung, den ökonomischen Herausforderungen und Ansprüchen und den individuellen Belastungen eines und einer jeden Einzelnen zwischen Home Office und Kinderversorgung, drohender Arbeitslosigkeit und Einkommensverlusten gilt es einen Ausgleich zu finden, Bewertungen zu erstellen und Prioritäten zu setzen – und immer wieder aufzuklären.

Intensivmedizin (DW)

Um aber die Gesellschaft ‚irgendwie‘ zusammenzuhalten, muss offenbar eine mündige und freiheitliche Gesellschaft entscheidend selber mit Solidarität und Eigenverantwortung beitragen. Weil das so ist, muss man insbesondere die Verdrehungen, Täuschungen, Fake Facts erkennen und als das bezeichnen, was sie sind: psychologische Verschiebungen, Verdrängungen, Übertragungen, Realitätsverweigerung, Beschönigungen und verantwortungslose Flucht vor der Wirklichkeit.

Neu im Blog:

Corona – Abwehrstrategien

Eine Zeitungs-Nachlese

Corona

Kern der Verunsicherung: das Archaische

„Anfang der Siebziger in Italien oder Westdeutschland geboren worden zu sein, hat unsere Generation zum wohlhabendsten, gesündesten, sichersten, am besten gekleideten und ernährten sowie verhätschelsten Stück Menschheit gemacht, das je auf Erden gewandelt ist.“ Antonio Scurati, FAZ 15.03.2020

Das Coronvirus ist Auslöser einer weltweiten Epidemie (=Pandemie), die tief in unseren Alltag eingreift und zu starker Verunsicherung führt. Zunächst besteht die Verunsicherung darin, dass man nicht weiß, wie man sich ‚richtig‘ verhalten soll. Bei einer Grippe oder anderen Krankheit geht man zum Arzt, bekommt Medikamente verschrieben und wird schlimmstenfalls zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus überwiesen. All das trifft heute beim Coronavirus nur beschränkt zu: Nicht gleich in die Arztpraxis gehen, erst dort oder bei einer Hotline des Gesundheitsamtes anrufen, Symptome abklären, eventuell zum Test geschickt werden und dann in häusliche und – schlimmeren Falls – klinische Quarantäne zwecks Überwachung und Behandlung eingewiesen werden.

Bei „Behandlung“ muss man schon einhalten, denn es gibt noch keine erprobte Behandlung von Corona-Patienten. Bisher kann man nur Begleiterscheinungen behandeln und den Gesamtzustand stabilisieren, bis der Organismus selbständig die Virusinfektion überwunden hat. In extremen Fällen schafft es der Körper nicht (Vorerkrankungen, Alter, Schwäche), und der Organismus versagt: Der Mensch stirbt. Auch eine vorbeugende Impfung gibt es noch nicht, es wird auch noch Monate dauern, bis eine solche getestet und verlässlich angewandt werden kann. Eher kann schon auf baldige Medikamente gehofft werden, die sich bereits bei anderen Viruserkrankungen bewährt haben und gerade auf ihre Wirksamkeit bei Corona erprobt werden – in Einzelfällen auch bei uns in Deutschland.

Das öffentliche Leben ging eine Weile noch unverändert weiter. Aber spätestens seit gestern, Freitag, ist klar: Nichts wird weitergehen wie bisher. Das öffentliche Leben erfährt einen Lockdown. Alle Veranstaltungen fallen aus, Gaststätten und Clubs schließen, und manche ärgern sich immer noch, dass Bundesligaspiele und alle anderen Sportereignisse betroffen sind. Dabei ist das noch das Wenigste. Soziale Kontakte müssen reduziert bzw. ausgesetzt werden. Die Wirtschaft und Verwaltung wird massiv beeinträchtigt. Das Unverständnis vieler Menschen, warum sich nun das gesamte öffentliche Leben (Schulen, Verkehr, Freizeit, Arbeit) ändert und insofern das Alltagsverhalten eines jeden Einzelnen betroffen ist, zeigt, wie schwer es fällt, sich auf eine solche andere, außergewöhnliche Situation einzulassen, anzuerkennen, dass es anders ist als bei einer normalen Grippe, – auch wenn der Corona-Krankheitsverlauf bei vielen nur leicht ist. Aber eben nicht bei allen, sondern bei einer großen Zahl von Menschen kann er auch schwere Verläufe hervorrufen. Es sind nicht nur Ältere und Vorerkrankte betroffen, sondern Menschen quer durch alle Altersgruppen und soziale Zugehörigkeiten. Die „Bellsche Normalverteilung“ (Glockenkurve) schließt eben auch eine für Corona spezifische Verteilung des Krankheitsverlaufs ein, zu der ein bestimmter Anteil schwerer und schwerster Verläufe hinzugehört wie auch leichter und nahezu unbemerkter.

RNA-Virus CC 2.0 Wikimedia

Diese prozentuale Verteilung ist dramatisch anders als bei einer herkömmlichen Virusgrippe. Und gegen die Virusgrippe haben wir Mittel und Vakzine. Bei Corona gilt das bis auf weiteres nicht. Weil wir nichts anderes haben und nichts Besseres wissen, ist Eindämmung, Unterbrechung der Infektionsketten durch Kontaktvermeidung das einzige Mittel, das medizinisch geboten ist und in politischer Verantwortung durchgesetzt werden muss – wirtschaftliche Folgen inbegriffen. Den eigenen Lebensstil kann man allerdings nur aus eigener Einsicht ändern und sozial einschränken. Das verlangt ein Stück Verständnis, Rücksichtnahme, Solidarität mit Schwächeren im Interesse der Gesamtheit. Denn es nützt allen, wenn die Ausbreitung verlangsamt und Verläufe gemildert werden.

Ich denke, es ist noch etwas anderes, das die Schwierigkeiten der Akzeptanz dieser beunruhigenden und gefährlichen Virusinfektion ausmacht: Wir sind hilflos einem Naturgeschehen ausgeliefert. Dass man nichts gegen schlimme Krankheiten tun kann, hat etwas Archaisches. Ebola hat man ziemlich schnell in den Griff gekriegt, selbst HIV ist nach längerer Zeit eine inzwischen gut therapierbare Krankheit, und auch beim Krebs gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungsmethoden, welche die Überlebenschancen ständig verbessern. Und jetzt Corona. Nichts zu machen, das Virus ist da, ist im Umlauf, viele Menschen erkranken daran. Ein Gefühl der Ohnmacht beschleicht einen – oder das Verdrängen: „Alles halb so wild, alles übertrieben!“ Bis es den Nachbarn, die Kollegin oder einen selber trifft.

Wir haben das Gefühl für die Urwüchsigkeit von Krankheiten verloren. In unserer technisierten Zivilisation gibt es gegen alles und jedes ein Mittel, ein Verfahren, einen intelligenten Ausweg. Nur hier beim Coronavirus versagt unsere Kunst. Nun, natürlich nur was die direkte Bekämpfung des Virus angeht. Die begleitende Behandlung auf den Intensivstationen ist technisch auf höchstem Niveau, hochqualifiziert und äußerst effektiv; die bisher geringen Zahlen von Toten bei uns belegen das. Die sehr viel ältere Generation, die noch das Ende des Krieges 1945, vor 75 Jahren, mitgemacht hat, kennt das Gefühl noch besser. In den ausgebombten Städten, auf der Flucht, im Flüchtlingslager ging es ums Überleben angesichts von Ruhr, Typhus, Cholera, Kinderlähmung. Da gabs keinen Notfall-Dienst, keine topmoderne Klinik. Ein Glück, dass das vorbei ist, niemand sehnt sich bei uns nach solchen Zuständen (leider ist es in den Flüchtlingslagern heute immer noch Gang und Gäbe). Aber wir müssen wieder ein Stückchen das Gefühl des Ausgeliefertseins lernen gegenüber der Tücke solch raffinierter RNA-Viren, zu denen Corona gehört: „Die Erreger der überwiegenden Mehrheit der neu auftretenden viralen Infektionskrankheiten der letzten Jahrzehnte (Variationen der Influenzaviren, SARS, Ebolavirus), aber auch die bereits jahrtausendealten Tollwut-Erreger sind RNA-Viren.“ (Wikipedia)

Gelassenheit ist angebracht, aber auch Sorge, Vorsorge und Rücksichtnahme. Kultur und Zivilisation erweisen sich immer wieder als sehr dünne Schicht, als Firnis über dem Untergrund der rohen Natur.

Update: 14.03.2020

Lesetipps:

Living with Corona, Prof. Kekulé
#
Interaktiv Corona Verbreitung aktuell
#
Der Staat bewährt sich als Schleusenwärter, von Sebastian Huld
#
Die Sterblichkeitsrate und andere Ungewissheiten FAZ-Plus

.art