Neuer Faschismus

Über das Buch von Eva von Redecker: „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“

Im aktuellen Montagsblock/364 , der frei verfügbaren Kolumne von Kursbuch online, stellt Peter Felixberger das gerade im S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, erschienene Buch von Eva Redeker vor: „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus.“

Die Philosophin Eva von Redecker hat sich in ihrem neuen Buch zwei Fragen gestellt. Erstens, ob und wie sich der Faschismus über die Zeit hinweg er­halten konnte. Zweitens, ob wir überhaupt noch in der Lage sind, ihn zu erkennen. »Wir brauchen einen Begriff des Faschismus für die Gegenwart«, fordert sie. Menschen sind im neueren Faschismus keine individuelle Bezugs­größe mehr. »Stattdessen wird eine möglichst isolierbare, möglichst abstrakte Figur fingiert … und dieser Feind soll nicht geschlagen wer­den oder unterdrückt, sondern restlos vernichtet.« 

Die im Montagsblock veröffentlichten Auszüge zeigen ein sehr pointiertes, engagiertes und argumentativ starkes Buch einer Autorin, die Philosophie als praktische Einmischung versteht – mit einem bedrohlichen Résumé:

Die Folge: Menschen werden als mögliche Kooperationspartner aus dem Spiel genommen. Anstelle einer pluralen Menschheit, die sich arbeitend und kommunizierend aufeinander beziehen könne, entstehe das Bild homogener Blöcke, des eigenen und des feindli­chen. »Und in voller faschistischer Aufladung kann diese Grenzzie­hung in den Ausnahmezustand übergehen, in dem es heißt, dass die anderen dienen oder sterben müssen, damit wir leben können.« Deshalb werden Vorurteile so ausgiebig gepflegt, sie sind Teil der faschistischen Architektur von Abwehrmechanismen. … Als Antisemi­ten und Anti­Schwarz-­Rassisten pflegen sie eine höhnische Mime­sis. Das Schwache, Weiche und Unscharfe soll ausgemerzt wer­den. Kein Wunder, dass Carl Schmitt und alle, die diese Stärke und Härte verherrlichen, im Ausnahmezustand die entscheidende He­rausforderung für den Souverän sehen. »Da zeigt sich, wer wirklich herrscht.«

Lese – Empfehlung!

NATO entzaubert

Mal realistisch betrachtet zeigt sich, dass nicht nur die Bundeswehr, sondern auch große Teile der NATO Truppen aus europäischen Ländern ihren Auftrag heute nicht erfüllen können.

Albtraum: Ukrainische Drohnenpiloten radieren bei Übung ganze NATO-Bataillone aus

„Wie das angesehene Wall Street Journal (WSJ) in einem aufsehenerregenden Artikel berichtet, wurden den NATO-Truppen bei der „Hedgehog 2025” in Estland dramatisch ihre Grenzen aufgezeigt. Demnach kämpften dort 16.000 NATO-Soldaten aus 12 Staaten gegen ukrainische Drohnenteams. Der nüchterne Kommentar eines NATO-Kommandeurs danach: „Wir sind am Arsch.”

Offenbar waren die Allianztruppen mit der Art der ukrainischen Drohnenkriegsführung völlig überfordert. In einem Szenario soll ein zehnköpfiges ukrainisches Drohnenteam in nur einem halben Tag 17 gepanzerte Fahrzeuge der NATO simuliert zerstört und weitere 30 Angriffe geflogen haben. An einem einzigen Übungstag gelang es den Ukrainern, zwei ganze NATO-Bataillone kampfunfähig zu machen.“

Militär aktuell 13.02.2026

Es lohnt sich absolut, den Artikel ganz zu lesen, dabei wird es einem recht mulmig werden: Wo sind da unsere heutigen Abwehr – Fähigkeiten ?


Ergänzend:

„Die europäischen Treibstoffvorräte reichen für drei Monate Krieg“

Europa hat etwa 60 Raffinerien. „Das ist das Rückgrat unserer Treibstoffversorgung“, sagt Rheinmetall-Managerin Shena Britzen im Interview. „Kraftstoffe sind der Mittelpunkt der Verteidigungsbereitschaft. Und die größte Flanke: Strategie ist für Amateure. Profis sprechen über Logistik.“

@ntv.de 15.02.2026


Der Westen, den Rubio meint

US-Außenminister Rubio sprach in München leidenschaftlich über die „westliche Zivilisation“. Das rührte einige. Nur zur Klarstellung: Er hält es ersichtlich mit dem Geschichtsbild von Mel Gibson, es geht da weniger um die Werte der französischen Aufklärung.

Essay von Gustav Seibt Südeutsche Zeitung 15.02.2026


Wurzeln des Antiliberalismus

Der Politikwissenschaftler Robert Kagan über die tiefen Wurzeln des Antiliberalismus in den USA, Trump als Rammbock der Diktatur und Europas Zwickmühle zwischen den Raubtierimperien der Gegenwart.

Interview von Andrian Kreye

Europa muss verstehen, dass Trump und seine Bewegung Europa zutiefst feindlich gegenüberstehen. Diese Mitte-rechts- und Mitte-links-Parteien sind für sie Formen des Liberalismus, den sie ablehnen. Die deutsche, die französische, die britische Führung sind für sie genau solche Feinde wie Nancy Pelosi oder die Clintons.

Findet man da nicht über sein transaktionales Denken einen Weg?

Wir müssen aufhören, bei Trump über Transaktionen zu sprechen. Eine Transaktion ist, wenn Sie etwas bekommen und ich etwas bekomme. Was Trump will, ist Herrschaft. Wenn ihm nicht passt, was der Schweizer Bundespräsident sagt, belegt er die Schweiz mit 39 Prozent Strafzoll. Gibt es Ärger um Grönland, gibt es zehn Prozent Zoll für Europa. Da geht es nie um Geld. Nur um Macht.

Süddeutsche Zeitung, 06.02.2026

Der Mann in unserem Kopf

Hilmar Klute über Donald Trump:

Er ist der Mann, mit dem wir morgens aufwachen und abends ins Bett gehen. Warum wir unseren albtraumhaften Fetisch so schnell nicht wieder loswerden.

„Wir stehen eigentlich minütlich bereit, Donald Trump in all seinen Formen medialer Präsenz zu folgen, selbst wenn er als KI-gesteuerter Pilot Exkremente auf New Yorker Protestmarschierer kippt – auch das ist eine der Formen von Realität, die wir mit Trump erst kennengelernt haben. Lüge und Wahrheit sind austauschbare Begriffe, seit dieser Präsident die Maßstäbe setzt. Mit diesem Mann hat die Geschichte einen entscheidenden kosmetisch-chirurgischen Eingriff erfahren: Ihr wurde die Zukunft herausoperiert. Sie liegt jetzt verzweifelt zuckend in den Händen eines Einzigen, eines fast 80-Jährigen, der selbst keine Zukunft mehr hat, ausgenommen vielleicht die Aussicht, als überlebensgroße goldene Kitschfigur auf der National Mall zu überleben.“

Süddeutsche Zeitung, 05.02.2026

Trump – Doktrin

„Trumps Vize J. D. Vance war es, der nach den Bombenangriffen auf Iran im Sommer die „neue außenpolitische Doktrin“ der USA am besten auf den Punkt brachte. „Was ich als Trump-Doktrin bezeichne, ist ganz einfach. Erstens formuliert man ein klares amerikanisches Interesse“, sagte er damals. „Zweitens versucht man, dieses Problem aggressiv auf diplomatischem Wege zu lösen. Und drittens, wenn man es nicht auf diplomatischem Wege lösen kann, setzt man überwältigende militärische Macht ein, um es zu lösen.“ Diese bis heute vielleicht präziseste Definition Trumpscher Außenpolitik hat sich fast wie ein Drehbuch für den Grönland-Konflikt gelesen, ehe Trump Mitte der Woche das Skript – fürs Erste – zur Seite gelegt und ein militärisches Eingreifen ausgeschlossen hat.

Vance wird fälschlicherweise oft als traditioneller amerikanischer Isolationist charakterisiert, der Amerika aus globalen Konflikten heraushalten will. Tatsächlich ist er ein knallharter Verfechter der aggressiven „America-First“-Ideologie.“

Trumps Außenpolitik: Chaos oder Strategie? von Reymer Klüver
Süddeutsche Zeitung vom 23.01.2026