Sommer ohne Erbarmen @süddeutsche

Das Wasser wurde aus der Landschaft vertrieben, wo es nun fehlt.

Weiter so also, trotz allem? Danach sieht es jedenfalls aus. Da wären zum Beispiel die Aussagen von Bauernverbandschef Joachim Rukwied. Er warnte kürzlich, in manchen Gegenden werde die Ernte sehr schwach werden oder ganz ausfallen. Getreide, Gerste, Mais, Raps oder Winterweizen und voraussichtlich auch Kartoffeln sind betroffen. Weil zudem weniger Gras gewachsen ist und es daher weniger Futter gibt, haben einige Landwirte, so sagen sie, ihre Tiere früher als geplant schlachten lassen. Lebensmittelpreise könnten als Folge all dessen steigen. 

Wie häufig in akuten Krisen, forderte der Deutsche Bauernverband finanzielle Hilfen vom Staat, unter anderem noch niedrigere Steuern auf Diesel. Was man aber nicht hörte, war eine selbstkritische Reflexion, was die Arbeit der Landwirte mit der Krise zu tun hat.

Denn die Landwirtschaft wurde, um ihre Erträge zu erhöhen, in den Siebziger- und Achtzigerjahren rabiat umgebaut: Flussläufe wurden verändert, Entwässerungsgräben gezogen, Hochwasser- und Moorgebiete trockengelegt. Das Wasser wurde aus der Landschaft vertrieben, wo es nun fehlt. Gleichzeitig führte der vermehrte Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln dazu, dass oberflächennahe Grundwasserschichten verunreinigt wurden und für die Trinkwassergewinnung ausfielen. Die öffentlichen Versorger mussten auf der Suche nach sauberem Wasser immer tiefer bohren.

In den kommenden Jahren wird die Erderwärmung dazu führen, dass Bauern ihre Anbauflächen weit mehr und häufiger künstlich bewässern müssen als bislang. Experten gehen von einer Verdoppelung des Wasserbedarfs aus. Sie schätzen, dass die Landwirtschaft etwa 2,5 Prozent des Wassers in Deutschland benötigt.

Sommer ohne Erbarmen. Wie massiv die Klimakrise bereits jeden Aspekt des Lebens und Wirtschaftens betrifft. @süddeutsche.de vom 22.08.2026

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