Zwei Artikel, lesenswert, und mit für uns, Europäer und Deutsche, düsterer, aber IMHO realistischer Sichtweise.
Seine Politik ist nicht antik
Die Vorbilder für Donald Trumps Machtpolitik stammen nicht aus Rom – sondern aus dem neunzehnten Jahrhundert. Vergleiche mit Nero, Augustus und anderen römischen Kaisern führen in die Irre.
Von Andreas Kilb FAZ+ 12.01.2026
Das alles ist nicht neu. Neu ist, dass an der Spitze der mächtigsten Flotte und des größten Atomwaffenarsenals aller Zeiten ein Individuum steht, das aus seinen nationalen wie persönlichen Interessen kein Hehl mehr macht und die Maske der Humanität, Multilateralität und Bündnistreue ohne Zögern fallen lässt. Darin ist der amerikanische Präsident in der Tat mit den Imperatoren Roms vergleichbar, die sich im Zweifelsfall nur ihrer eigenen Glorie, der Loyalität ihrer Legionen und der Versorgung der römischen Stadtbevölkerung mit Brot und Spielen verpflichtet fühlten.
Warum die EU untergehen wird
Die westlichen Demokratien sind von vielen Seiten bedroht – der Institution, die ihnen dabei am meisten helfen könnte, schenken sie am wenigsten Respekt und Beachtung. Zur Freude von Donald Trump.
Essay von Josef Kelnberger Süddeutsche Zeitung 11. Januar 2026
Die trügerische Überzeugung, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, steckt auch hinter dem Drang, die Welt mit immer kleinteiligeren Gesetzen zu einem besseren Ort zu machen. Ursula von der Leyen brachte ein Paket von Gesetzen auf den Weg, um den Klimawandel zu stoppen und die amerikanischen Tech-Konzerne zu bändigen. Viele von diesen Gesetzen würden aber nur funktionieren, wenn Europa die eigenen Standards den USA und China aufzwingen könnte. Nun gelten sie als Fesseln für die europäische Wirtschaft.
So fügt sich das Bild einer Europäischen Union, die wie der Zeit gefallen wirkt. Sie bräuchte dringend ein Signal des Aufbruchs.