Archiv der Kategorie: Politik

publicopinia: Chancen der Liberalität

Antiliberale Meinungen und Überzeugungen werden immer vernehmlicher. Es gibt sie zwar schon länger bei linken Parteien und Gruppierungen, für die „liberal“ immer ein Schimpfwort war und die sich als Vertreter der „richtigen“ Weltsicht wahlweise für die „Diktatur des Proletariats“ oder zumindest für die Vorherrschaft einer Partei und einer „linken“ Ideologie verstanden haben
Autoritäre Führerfiguren, die „illiberal“ als positives Attribut zur Selbstbezeichnung verwenden, werden zu medialen Idolen – von Putin über Erdogan bis zu Trump. Vom Faszinosum der chinesischen Ein-Parteien-Diktatur, heute sogar Ein-Mann-Diktatur, Wirtschaftskraft und hard power ganz zu schweigen.

Toleranz

Angesichts der illiberalen „Feinde der offenen Gesellschaft“ (Popper) ist der Liberalismus heute mehr denn je herausgefordert, weil er die beste Chance auf die Erhaltung einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft bietet. Liberalität sollte verlockend sein und zur Selbstbestimmung einladen, auch wenn man dafür den eigenen Verstand gebrauchen und sich kontroversen Diskussionen stellen muss. Es lohnt sich immer noch und immer wieder, mit den Ideen der Aufklärung offensiv und diskursiv für eine humane und liberale Gesellschaft einzutreten.

Neu im Blog – Langtext:

Chancen der Liberalität


Über einen Liberalismus mit Zukunft

publicopinia: Das Gift des Nationalismus – Von der Nachkriegszeit zur Vorkriegszeit

Jahresrückblicke sind gerade überall zu lesen und zu sehen. Bei allen Turbulenzen und medialen Aufgeregtheiten im Jahr 2019 wird leicht übersehen, dass es doch wieder ein sehr beständiges Jahr war. Zumindest gilt das für die wirtschaftliche Entwicklung, für Lohnzuwächse, sinkende Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Bezieher von Hartz IV bzw. ALG II ist erstmals wieder unter 4 Millionen gesunken. Das ist bei aller Klage über Armutsgefährdungen denn doch ein sehr guter Wert. Dazu kommen aber noch 1,1 Millionen Menschen, die Mittel aus der Grundsicherung erhalten. Dennoch bedeutet das andererseits, dass es über 70 Millionen Bürgern in Deutschland, also rund 90 %, recht gut bis sehr gut geht. Ein unglaublicher Erfolg unserer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme!

Dennoch ist ein Unbehagen in unserer Gesellschaft erkennbar geworden, das wahrscheinlich nicht so groß ist, wie es in den Medien bisweilen wirkt, aber dennoch unübersehbar. Ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass in den östlichen Bundesländern ein Viertel der Wählerinnen eine Partei rechts außen gewählt hat, die in wesentlichen Teilen antidemokratische und illiberale Ziele verfolgt. Im Westen sind es mit 10 – 15 % zwar weniger, aber doch mehr, als frühere Rechtsparteien erreicht hatten. Diese Tendenz zu einem eher illiberalen, nationalen, intoleranten Mainstream gibt zu denken. Nationalismus, Antipluralismus, Rassismus, Antisemitismus, Abschottung und Antiglobalisierung sind offenbar wieder Optionen geworden.

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Das Gift des Nationalismus


publicopinia. Planet kaputt

Für die Zukunft der Menschen auf diesem Planeten sieht es düster aus. Es gibt zwei große Probleme, die sich sogar teilweise auf eines zurückführen lassen: Die weitere Zunahme der Weltbevölkerung und die rasante Veränderung des Klimas, verursacht durch steigende Erwärmung. 


Dumm nur, dass wir keinen Punkt haben, den Planeten, unsere „Welt“, von einem Standpunkt außerhalb zu betrachten und zu beeinflussen. Wir sind und bleiben mitten drin. Und hier in diesem planetarischen Schlamassel, den wir als Menschen angerichtet haben, rettet uns in der Tat kein höheres Wesen. Wir müssten es schon selber tun.


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Planet kaputt
Das Finale der Menschheit

Youtuber in der Politik

Wie REZO die Politik verwirrt

Das ist schon heftig, was da öffentlich abgeht, wenn ein bei jungen Leuten bestens bekannter Youtuber, Rezo, plötzlich ein politisches Statement abgibt – über 55 Minuten lang, mit eingeblendeten Belegen, in professioneller Machart. Was immer man davon hält – viele Kritik der traditionellen Medien (Zeitungen, Leitartikler) ist einfach nur beleidigt, pikiert und unfair nach dem alten Motto „So ein ahnungsloser Schnösel…“.

Ich finde gut,
– dass Schüler, junge Leute, besorgte Eltern gegen die Klimakrise auf die Straße gehen („Fridays for Future“)
– dass sich Mediengrößen der jungen Generation wie Rezo politisch engagieren und öffentlich äußern, natürlich mit ihren eigenen professionellen Mitteln
– dass diese Äußerung nicht als aufgeputschte Beschimpfung oder satirische Verzerrung à la Böhmermann daherkommt, sondern zwar sehr engagiert, aber sachlich und reichlich mit Belegen ausgestattet.
– dass sich ein bislang als unpolitisch geltender Vertreter der Jugend mit seinem Team sehr weit und genau eingearbeitet hat, zunächst einmal egal, ob nun jeder einzelne Beleg stichhaltig und passend gewählt ist oder ob einzelnes einseitig ausgewählt oder interpretiert wird. Das machen Journalisten auch, und man kann ja dazu Stellung nehmen.

Nicht gut finde ich die gehässige und hämische Kritik, die von vielen altgestandenen Jounalisten und Parteiverttreter/innen geäußert wird. Das klingt beleidigt, arrogant, altväterlich. Keine gute Weise, eine neue Art öffentlicher Auseinandersetzung zu führen, die bewusst politisch sein will. Keine gute Weise, auf die digital kommunizierende Jugend zuzugehen.

Umso bemerkenswerter ist die folgende Unterstützung praktisch der gesamten deutschen Youtuber – Szene mit entsprechender Reichweite. Es ist ein Protest, ein „Aufschrei“, eine Einforderung von Gehör und eine Aufforderung zu politischem Engegement, konkret und ganz banal: unbedingt an der Europawahl teilzunehmen. Wenig revolutionär! Wie will das kritisieren? Einseitig darf öffentliche Meinungsäußerung doch sein, und parteilich auch. Davon lebt eine Demokratie.

Rezo YOUTUBE Video

Ich bin Rezo und seinen Mitarbeiterinnen und den vielen anderen Youtubern einfach dankbar, dass sie diese Videos, diese Öffentlichkeit gewagt haben. Man sollte sie ansehen. Man muss sie hören. Man muss sie vor allem respektieren.
Und dann darf man die Äußerungen, wenn man will, natürlich auch kritisieren. Dabei sollte es man sich aber nicht zu leicht machen – und mindestens ebenso sachkundig sein wie Rezo!

Ich verlinke hier also
– Rezos Video,
– das Statement der anderen 90+ Youtuber
– einen „Faktencheck“ der Youtuberin maiLab, Wissenschaftsmoderatorin beim WDR (Quarks)
– 2 Zeitungsartikel, die dieses Geschehen ruhig und sachlich einordnen und bewerten.
– einen Tweet von Martin Lindner.

Rezo: DIE ZERSTÖRUNG DER CDU Video

90+ Youtuber EIN STATEMENT Video

maiLab REZO WISSENSCHAFTLICH GEPRÜFT Video

Constanze von Bullion, Junge sagen den Alten den Kampf an. Gut so! (Süddeutsche Zeitung)

Johannes Schneider, Nicht nur die CDU wird zerstört (ZEIT online)

Und sehr wahrscheinlich ist auch das Folgende zutreffend:

Reinhart Gruhn

publicopinia: Demokratie in Gefahr

Die größten Gefährder sitzen in Regierungen . Das Ziel des Trump – Schlagwortes fake news ist Verunsicherung. Das Ziel russischer Propaganda in Russia Today und in Internet-Foren ist gleichfalls Verunsicherung. Nichts ist mehr als Fakt sicher, alles gilt als gefälscht, verdreht, als bewusste Täuschung und Verheimlichung der ‚wirklichen Wahrheit‘ dahinter. Die vertritt dann nur die eigene Partei und Regierung. Eine freie Urteilsbildung ist nicht mehr möglich.

Reichstag

Es liegt an uns, sehr sehr wachsam zu sein und auch den Polarsierern auf der anderen Seite nicht auf den Leim zu gehen. Selbstvertrauen, Mut zur Mündigkeit und eigenen Urteilsfähigkeit, Stärkung und Verteidigung der freien und pluralistischen Medien – das brauchen wir jetzt am allernötigsten! – Mehr im Blog!


Demokratie in Gefahr

publicopinia: Utopie statt Dystopie

Die Krise der globalen Herausforderungen und das Ende des Petrozän.

Die Verstädterung ist ein weltweites Phänomen. Metropolen mit mehreren Millionen Einwohnern nehmen rasant zu und wachsen weiter überall auf dem Globus. Die Versorgung dieser vielen Menschen mit Wohnung, Nahrung und Energie wird ein zunehmendes Problem. Wasser wird zum kostbaren Gut, sauberes Trinkwasser erst recht. Es ist nicht nur der Klimawandel, der in vielen Regionen für Wassermangel sorgt.

Solarkraft
Solarkraft

Auf drei Ebenen sehe ich zunehmend Konflikte sich verschärfen, Ressourcen verknappen und Bereitschaft zu Kompromissen schwinden: beim kaum mehr zu verhindernden Klimawandel, durch das ungebremste Bevölkerungswachstum und bezüglich der sozialen Disparitäten, die Chancen für alle verhindern. –
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Utopie statt Dystopie

publicopinia: Gleichheit

Ungleichheit wird zunehmend als ungerecht empfunden. Wirtschaftliche Ungleichheit in einer freiheitlichen, offenen Gesellschaft ist normal, sogar in gewissem Umfang erwünscht. Darin liegt unter anderem der Ansporn, vorwärts zu streben und seine Stellung innerhalb von Beruf und Gesellschaft zu verbessern, sein Einkommen zu steigern und für sich und seine Nachkommen größere Chancen zu nutzen.

Shanghai
Shanghai

Heute ist die öffentliche Meinung eher auf die Freiheit gerichtet, sich selbst zu verwirklichen, über seinen Körper und seine sexuelle Ausrichtung zu bestimmen und seine Bildungs- und Berufswahl nach eigenem Willen zu gestalten. Gleichheit wird formuliert als Forderung nach Chancengleichheit unabhängig von Geburt, Familie und Tradition, seinen Platz in der Gesellschaft wirtschaftlich und sozial nach eigener Leistung und Begabung zu erreichen. Solidarität schließlich ist ausgeweitet auf alle, die Notsituationen erleben und (auch erneut) Hilfe zum eigenen Leben, zu Gesundheit und Fortkommen inklusive Einkommen benötigen. Weiter…

Ungleichheit – Ungerechtigkeit – Klima


Feed: Ökologische Landwirtschaft

Gestern gab es auf Twitter eine gute Diskussion über die Auswirkungen herkömmlicher intensiver Landwirtschaft (Agroindustrie) und der Notwendigkeit moderner ökologisch ausgerichteter Landwirtschaft. Ich verlinke hier den feed.

publicopinia: In Zusammenhängen

Wir denken immer in Zusammenhängen, es geht gar nicht anders. Es sind in der Regel alltägliche, soziale, pragmatische Zusammenhänge: Wenn ich überlege, welchen Weg zur Arbeit ich wähle angesichts aktueller Baustellen; wenn ich mir Erledigungen auf dem Heimweg vornehme; wenn ich mich darauf einstelle, was mich in der morgendlichen Teamsitzung erwarten wird. …

Kohlekraftwerk RWE

Bei all diesen Zusammenhängen und den Fragen, die sich daraus ergeben, werde ich entweder der eingespielten Gewohnheit entsprechen (das geht wie von selbst) oder eine Ziel – Aufwand – Nutzen – Überlegung anstellen: Wie kann ich mein Ziel am besten erreichen – und was ist das jeweils Beste? Das Schnellste oder Einfachste? Das Bequemste? Das, worüber ich nicht zu viel nachdenken muss? Wenn ich bereit bin, größere Zusammenhänge zu berücksichtigen, wieviel Aufwand erlaube ich mir dafür, was darf es zusätzlich kosten? Zu welchen Alternativen und Umwegen bin ich gegebenenfalls bereit?

Mehr lesen im Blog publicopinia:

In Zusammenhängen denken

Publicopinia: Apartheid und Rassismus

Der Zusammenhang von Kolonialismus und Rassismus ist unauflöslich

Joburg

Vor wenigen Tagen brachte die ZEIT (02.01.2019) eine viel beachtete und heftig diskutierte Reportage über die Arbeit auf Kreuzfahrtschiffen: „Unter Deck“ (kostenpflichtig). Die Entrüstung über solche „Sklavenarbeit“ ist verständlich: kein Urlaub, kaum Arbeitsschutz, kaum medizinische Versorgung, hoher Leistungsdruck, geringe Bezahlung. – Ich komme gerade aus Südafrika von einer längeren Reise zurück. Was ich jetzt hier lese, erinnert mich an die Normal-Arbeitsverhältnisse vieler Schwarzer dort.

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Reale Welt des Kolonialismus