publicopinia: Reale Kosten

Dass nicht nur (Bürger-) Kriege, sondern gerade auch fehlende Aussichten auf Bildung und Arbeit (und Freiheitsrechte) Menschen aus ihrer hoffnungslosen Lage in vielen Ländern forttreiben, dass diese Lage angesichts einer wachsenden jungen Generation, die weltweit informiert und vernetzt ist, immer brisanter wird, liegt auf der Hand. Aber auch das beinahe geflügelte Lösungswort von der „grünen Industrie“ und einer gelingenden CO2-Transformation spiegelt mehr Wunschdenken als Realität wider.

UNICEF; Global Foundries

Wir müssen hierzulande und in Europa alles tun, um die Grundlagen der Industrialisierung, von Wirtschaft, Arbeit und Wohlstand zu erhalten und über die großen Veränderungen hinweg positiv zu gestalten. Natürlich sind da auch riesengroße Chancen, aber eben nicht ohne Kosten und Risiko. Technikfeindlichkeit und eine Anti-Growth-Haltung werden uns da freilich kaum helfen, eher Tatkraft, Ideenreichtum und wirtschaftlich-technische Innovationen. Auch dabei geht es eminent um die Zukunftschancen der künftigen Generationen! Mehr im Blog:

Herausforderungen und Kosten

Philosophie: Zeit im Buch

Die Kultur der Schriftlichkeit fand im alten Griechenland statt und ereignete sich als Begründung und Entwicklung einer rationalen Philosophie. Die Schriftlichkeit spielte dadurch eine so besondere Rolle, weil es dabei nicht mehr um hoheitliche Dokumente von Herrschern und Staaten ging, sondern um Gedanken und Meinungen einzelner Menschen, die sie in Büchern niederschrieben und jedem Interessierten, Gebildeten und des Lesens Kundigen zur Verfügung stellten, indem sie diese verkauften und in Bibliotheken sammelten. Dies ist in vielerlei Hinsicht ein gewaltiger neuer Schritt der Kulturentwicklung. 

Bibliothek St. Gallen

Sie veröffentlichen ihre eigenen Gedanken! Das Buch wird zum Medium einer Person. Es dient zur Darlegung individueller Meinungen. Diskussionen entzünden sich mit den Autoren über deren schriftlich vorliegende Texte. Zum einen überbrückt dies räumliche und zeitliche Distanzen. Der abwesende, verstorbene Autor wird nicht mehr nur durch seine Schüler repräsentiert, sondern durch seine Schriften. Man kann sich mit ihnen auseinandersetzen wie mit einem lebenden Gesprächspartner. Die Zeit verflüssigt sich.

Heute erleben wir Kommunikation instantan. Wie nie zuvor ist ein gleichzeitiger Austausch von Meinungen, Bildern, Mitteilungen über Räume und Zeitzonen hinweg möglich – dank des Internets und seiner sozialen Plattformen. Innerhalb einer Dekade hat sich das Kommunikationsverhalten der Menschen weltweit verändert. Das Internet macht alle Kontakte und allen Austausch instantan: sofort, praktisch zur Jetztzeit möglich. Zugespitzt könnte man diese Entwicklung als gegenläufig, als radikalen Gegensatz zu der oben beschriebenen Ausdehnung der Zeit durch die Schriftkultur verstehen, die das Buch ermöglicht hat, das Generationen verbindet und überdauert. Zeit gerinnt zum Jetzt.
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Verflüssigung der Zeit


Politik: Das Humanum

Der Mensch ändert sein gewohntes, als normal erlebtes Verhalten nur, wenn er unbedingt muss. Dies Müssen geschieht kaum aus Einsicht, sondern nur aus äußerem Zwang. Das gilt besonders dann, wenn sich in der zurückliegenden Zeit die Umstände des Lebens subjektiv verbessert haben, – Angenehmes wird schnell zur Gewohnheit. Umgekehrt wird kaum etwas als so bedrohlich angesehen wie sozialer oder individueller Abstieg. Ein Aufstieg zu mehr Wohlstand, Wohlergehen und zur vermehrten Erfüllung individueller Wünsche wird dagegen gerne angenommen und bald als Normalzustand erlebt, auf den man Anspruch zu haben meint.

Gelbwesten in Frankreich

Nur äußere Not bringt den Menschen zur Änderung seines Verhaltens. Politische Maßnahmen gehören nicht dazu. Sie werden sofort als von Menschen verantwortet, von Interessen geleitet und als „alternativlos“ behauptet und eingeengt durchschaut. Wenn erkennbar gemacht würde, welche Alternativen zu welchen Kosten es gibt (übrigens auch für Rente, Pflege usw.) und wenn zugleich der moralische Absolutheitsanspruch der (jugendlichen) Aktivisten relativiert würde, wäre zumindest die Möglichkeit einer vernünftigen, auf Interessenausgleich zielenden gesellschaftlichen Diskussion gegeben. –
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Grenzen des Humanum


Philosophie: Vernunft vernünftig denken

Was ist ein Rationalist? Ich bezeichne mich gerne so. Vernünftig zu sein ist eine Lebenseinstellung. Natürlich bin ich nicht immer vernünftig, und meist weiß ich das auch ganz genau – und tue es dann trotzdem. Manchmal bereue ich es, manchmal nicht. Phantasie und verrückte Ideen sind bisweilen viel besser als eine vernünftige Handlung, mag ihre Vernünftigkeit nur scheinbar oder offensichtlich sein. Aber was ist eigentlich „vernünftig“?

Leibniz-Denkmal


Der Weg der Wissenschaft ist ein kritischer: prüfend, tastend, irrend und auch wieder wahrhaftig erkennend, ein Weg, der sich von der Vernunft leiten lässt. Man kann dies auch einen Glauben nennen, einen Glauben an die Vernunft, die alles erkennt und gestaltet, aber vielleicht sollte man es auch Vertrauen nennen: Das Vertrauen darauf, dass die Rätsel der Welt, des Menschen und meines einzelnen Lebens eine Bedeutung im Ganzen haben, – einen wenn auch noch so winzigen Funken Sinn. Und dass es die Vernunft ist, die uns Gegenstände und Sachverhalte, Sinn und Bedeutung der Welt und unserer selbst erkennen und erschließen lässt. Das heißt es, die Vernunft vernünftig zu denken. [Mehr im Blog phomi]

Vernunft vernünftig denken


Philosophie: Präzisionsmedizin

Wissenschaftsphilosophie der Pandemie Teil II

Schon im ersten Teil dieser wissenschaftsphilosophischen Darstellung wurde darauf verwiesen, dass moderne Epidemiologie einen doppelten Fokus hat: Erkenntnisse über causal chains zu gewinnen, um daraus folgend Interventionsmöglichkeiten abzuleiten und begründete Voraussagen (prediction) über Krankheitsverlauf und mögliche Therapien zu treffen. Bis dato war es ein viel diskutiertes Problem, mit wesentlichen Unsicherheiten im Umgang mit Infektionskrankheiten zu rechnen und dieses unsichere Wissen in das epistemische Grundegerüst einzubauen.

Rechenzentrum

Dann trat etwas ein, was Alex Broadbent eine “Methodological Revolution” nennt: Die Einführung mathematischer Methoden in die Epidemiologie mit dem Ziel, eben diese Unsicherheit einzugrenzen oder zu beseitigen durch Berechnung der möglichen Ergebnisse, genannt “Potential Outcomes Approach” und kurz “POA”.
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Präzisionsmedizin