Schnipsel: „PoC“

Denke nach über die Bezeichnung „People of Color“ für Menschen nicht-weißer Hautfarbe. Soweit ich sehe, ist es die am wenigsten diskriminierende um am meisten akzeptierte (Selbst-) Bezeichnung nicht-weißer Menschen. „Nicht-weiß“ ist natürlich ein fataler Ausdruck, weil danach „weiß“ der Maßstab ist. Aber bin ich als „Weißer“ tatsächlich von weißer Hautfarbe?

Biologisch und natürlich gesehen stimmt das nicht, allenfalls „hell“, so wie es demgegenüber auch nur „dunkel“ als Hauttyp gibt. In der Wissenschaft werden Hauttypen von I – VI einfach durchgezählt. Schön wäre es, wenn man auch im Alltagsgebrauch nur von helleren oder dunkleren Hauttypen ausgehen könnte. Denn die Färbung der Haut und der Haare eignet sich überhaupt nicht für eine Kategorisierung im Alltag. Menschen unterscheiden sich vielleicht in Temperamenten oder Charaktermerkmalen oder Funktionen, aber gewiss nicht nach Haut“farben“ bzw. Hauttypen.

People of Color
People of Color (c) apa.org

Nun ist die Zuweisung des Merkmals „weiß“ oder „schwarz“ eben keine Bezeichnung eines natürlichen Merkmals, sondern eines sozialen oder sogar politischen Status. „Weiß“ bedeutet dann „normal“ (bevorzugt, mit „natürlichen“ Vorrechten), „schwarz“ nicht-normal, zweitklassig, unterprivilegiert bzw. bewusst benachteiligt. Als solche soziale Kategorien sind „weiß“ und „schwarz“ tatsächlich rassistisch: Es gibt kein neutrales „weiß“.

Insofern ist die Bezeichnung „People of Color“ (PoC) durchaus ein gangbarer Weg, Menschen mit dunklerer Hautfarbe nicht-diskriminierend zu bezeichnen im Unterschied zu „weißen“. Aber was ist mit der Bezeichnung „weiß“ selbst? Sie bleibt doch rassistisch, wie immer man es wendet. Ich möchte wie jeder andere ein „Mensch mit Hautfarbe“ sein, in meinem Fall eben mit einer hellen. Aber „PoC“ kann ich nicht sein, denn dieser Begriff besteht nur in der Unterscheidung von „Weißen“.

Es bleibt unbefriedigend, so unbefriedigend und unakzeptabel wie die Realität des Rassismus unter Menschen. Wir haben noch einen langen Weg zu gehen…

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Publicopinia: White Supremacy

Es gibt nicht nur einen ‚weißen‘ Rassismus. Aber der von ‚Weißen‘, besonders von Mitteleuropäern ausgeübte Rassismus ist sowohl historisch (Kolonialismus) als auch gegenwärtig politisch besonders relevant -. und besonders giftig und gefährlich. „White Supremacy“ liefert dafür den zutreffenden Begriff. Er bezeichnet ein Phänomen, das weit über die USA hinausreicht. Der Rechtspopulismus in Europa und Südamerika ist davon ebenso geprägt wie die Anti-Migrations-Kampagnen hierzulande. Kurz gesagt – und das ist meine These – ist der Grund dafür die Angst des ‚weißen Mannes‘ vor dem Verlust seiner Vorherrschaft.

Ku Klux Klan (Wiki)

Die mehr als 500 Jahre andauernde Vorherrschaft der europäischen ‚Weißen‘ wird definitv zuende gehen, und China wird weiter aufsteigen, das zumindest ist sicher. Es sollten bei uns aber Diskurs – Strategien entwickelt werden, die über das kurzsichtige Bild vom Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus hinausgehen. Es muss um Antirassismus gehen, gesellschaftlich, politisch, ökonomisch, kulturell – überall. White Supremacy wird ein beherrschendes Thema der Konflikte in der Zukunft sein.
Mehr im Blog publicopinia:

White Supremacy

Aktueller Rassismus

Spaltungen ?

Nach den Überlegungen zum Thema „Mitte“ (siehe voriger Beitrag) fällt mir auf, wie vergleichsweise unaufgeregt und gelassen wir es derzeit (noch) in Deutschland haben. In anderen europäischen Ländern sind die politischen und kulturellen Auseinandersetzungen sehr viel härter und Gegnerschaften unversöhnlicher, siehe Spanien, Großbritannien, teilweise auch Italien – von den osteuropäischen ‚illiberalen‘ Staaten ganz zu schweigen. In der Türkei treibt die Spaltung, die der neue ‚Sultan‘ Erdogan genau so konsequent betreibt wie Präsident Trump in den USA, eine Gesellschaft in den Abgrund – oder in kriegerische, expansionistische Abenteuer (-> Ägäis, östliches Mittelmeer). siehe RND: Kreta wird zum Checkpoint Charlie im Mittelmeer

Da ist die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz („Mit deutlich mehr als 20 % kann ich Kanzler werden.“) doch etwas sehr Angemessenes, Bedachtes und zugleich Zielgerichtetes, wie es ein politischer Wettbewerb auf anständige Weise erfordert. In gewisser Weise setzt Scholz auch den Maßstab für die Bewerber anderer Parteien: Seriös und respektvoll aufzutreten und ein klares politisches Ziel zu verfolgen. Auch Jürgen Trittins Beitrag heute im Tagesspiegel lässt Gelassenheit und Anstand erwarten. Weiter so im kommenden Bundestagswahlkampf!

Am Rhein in Düsseldorf halten Menschen Abstand: Die Einhaltung der AHA-Regeln schützt vor dem Coronavirus. (Webseite der Bundesregierung)
Foto: Ying Tang/NurPhoto via Getty Images

Die Aufgeregtheiten in den Sozialen Medien finden zum Glück fast ausschließlich dort in den entsprechenden Echokammern statt. Da sollen sie auch bleiben. Und ein paar Demos der selbsternannten „Querdenker“ wird unsere Gesellschaft und Demokratie schon aushalten. Zu hoffen bleibt allerdings, dass die gesellschaftliche Einmütigkeit auch in Sachen Selbstdisziplin bei den steigenden Zahlen der Corona – Infektionen erhalten bleibt – und sich auch gegenüber Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus bewährt!

publicopinia: Die Mitte

Was ist die Mitte zwischen wirtschaftsliberal, konservativ, eigenverantwortlich einerseits und sozialökologisch, staatsorientiert und fürsorglich gegenüber den Wechselfällen des Lebens andererseits? Reicht die alte Unterscheidung von rechts und links als Positionsbestimmung noch aus? Wie kann man die gesellschaftlichen Verhaltensweisen, Meinungen, Strategien, kulturellen Orientierungen beschreiben, die heute „die Mitte“ ausmachen?

populismus

Um diese Frage geht es in dem Beitrag „In der Mitte“, dessen Langtext im Blog publicopinia, dessen vollständiger Text dort aber auch als PDF-Datei verfügbar ist.

In der Mitte

Versuch einer Positionsbestimmung

im Blog: Schrecksekunde

Es ist kaum glaublich, mit welcher Geschwindigkeit weitergehende Forderungen und eilige Maßnahmen der Lockerung einander ablösen. Es scheint ein Überbietungswettbewerb stattzufinden, welches Bundesland es als erstes wieder zurück in die möglichst vollständige Normalität schaffe, um möglichst wenig aus der üblen Corona-Zeit zurückzubehalten.

Die Schrecksekunde ist also vorbei. Sie dauerte tatsächlich nur gut drei Wochen. Da waren die Bilder aus Italien präsent, die Militärkonvois mit Särgen. Nun werden die Virologen angegriffen als Boten des Bösen, die man für ihre Botschaft verantwortlich und schließlich verächtlich macht.

Mehr im Blog publicopinia !

Die Schrecksekunde

Der unbändige Drang zu verdrängen