publicopinia: Finstere Neuzeit

Genau diese Entwicklung spiegeln die Demonstrationen so unterschiedlicher Akteure wie auf der Berliner Demo am gestrigen Samstag. Es artikulieren sich dieselben wirren, aber durchaus gefährlichen ideologischen Versatzstücke, die auch in den USA bei den Trumpisten, in Brasilien bei den Bolsonaro-Fans und sogar bei Anhängern des Erzopportunisten Boris Johnson zu finden sind.

Überdeutlich bleibt die „Dialektik der Aufklärung“ (Horkheimer, Adorno), tritt heute die Dialektik, die tiefsitzende Ambivalenz der Neuzeit zu Tage. Es bleibt zu hoffen und dafür zu streiten, dass das nächste Jahrzehnt kein Eintritt in einen finsteren Abschnitt der Neuzeit bedeutet. Die Finsternis der sogenannten Postmoderne ist in Wahrheit das Janusgesicht eines technischen Fortschrittsglaubens, der seine aufgeklärten Ziele vergisst. Das Gebot einer humanen Kultur und Sozialität aber ist die freie und vernünftige Teilhabe unter Gleichen. Da dürfen Rassismus und Antisemitismus keinen Raum bekommen.

Alles lesen im Blog:

Finstere Neuzeit

Spaltungen ?

Nach den Überlegungen zum Thema „Mitte“ (siehe voriger Beitrag) fällt mir auf, wie vergleichsweise unaufgeregt und gelassen wir es derzeit (noch) in Deutschland haben. In anderen europäischen Ländern sind die politischen und kulturellen Auseinandersetzungen sehr viel härter und Gegnerschaften unversöhnlicher, siehe Spanien, Großbritannien, teilweise auch Italien – von den osteuropäischen ‚illiberalen‘ Staaten ganz zu schweigen. In der Türkei treibt die Spaltung, die der neue ‚Sultan‘ Erdogan genau so konsequent betreibt wie Präsident Trump in den USA, eine Gesellschaft in den Abgrund – oder in kriegerische, expansionistische Abenteuer (-> Ägäis, östliches Mittelmeer). siehe RND: Kreta wird zum Checkpoint Charlie im Mittelmeer

Da ist die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz („Mit deutlich mehr als 20 % kann ich Kanzler werden.“) doch etwas sehr Angemessenes, Bedachtes und zugleich Zielgerichtetes, wie es ein politischer Wettbewerb auf anständige Weise erfordert. In gewisser Weise setzt Scholz auch den Maßstab für die Bewerber anderer Parteien: Seriös und respektvoll aufzutreten und ein klares politisches Ziel zu verfolgen. Auch Jürgen Trittins Beitrag heute im Tagesspiegel lässt Gelassenheit und Anstand erwarten. Weiter so im kommenden Bundestagswahlkampf!

Am Rhein in Düsseldorf halten Menschen Abstand: Die Einhaltung der AHA-Regeln schützt vor dem Coronavirus. (Webseite der Bundesregierung)
Foto: Ying Tang/NurPhoto via Getty Images

Die Aufgeregtheiten in den Sozialen Medien finden zum Glück fast ausschließlich dort in den entsprechenden Echokammern statt. Da sollen sie auch bleiben. Und ein paar Demos der selbsternannten „Querdenker“ wird unsere Gesellschaft und Demokratie schon aushalten. Zu hoffen bleibt allerdings, dass die gesellschaftliche Einmütigkeit auch in Sachen Selbstdisziplin bei den steigenden Zahlen der Corona – Infektionen erhalten bleibt – und sich auch gegenüber Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus bewährt!

publicopinia: Die Mitte

Was ist die Mitte zwischen wirtschaftsliberal, konservativ, eigenverantwortlich einerseits und sozialökologisch, staatsorientiert und fürsorglich gegenüber den Wechselfällen des Lebens andererseits? Reicht die alte Unterscheidung von rechts und links als Positionsbestimmung noch aus? Wie kann man die gesellschaftlichen Verhaltensweisen, Meinungen, Strategien, kulturellen Orientierungen beschreiben, die heute „die Mitte“ ausmachen?

populismus

Um diese Frage geht es in dem Beitrag „In der Mitte“, dessen Langtext im Blog publicopinia, dessen vollständiger Text dort aber auch als PDF-Datei verfügbar ist.

In der Mitte

Versuch einer Positionsbestimmung

publicopinia: Wahlrechtsreform

Das Wahlrecht zum Deutschen Bundestag soll reformiert werden. Wegen der zahlreichen Überhangmandate sei der Bundestag zu groß geworden. Die Arbeitsfähigkeit werde dadurch beeinträchtigt. So jedenfalls argumentieren die Kritiker des bestehenden Verfahrens („unkontrollierter Aufwuchs des Bundestages“). Das ist allerdings nicht so offensichtlich, wie es scheinen mag. Arbeitsfähigkeit ist ja eine Frage der Organisation und der Räumlichkeiten. Es müsste schon weitere gute Gründe geben, die eine Begrenzung der Zahl der Abgeordneten erfordern. Ich habe noch keine gefunden.

Zum Beitrag im Blog publicopinia

Wahlrechtsreform

Phomi: Funktion

In meinem Philosophie-Blog findet sich ein neuer Beitrag zu einem erkenntnistheoretischen Thema: Funktion und Teleologie. Es ist eine spezielle Fragestellung, die nicht gerade vor der Haustür liegt, aber durchaus weitreichende Auswirkungen hat. Zum Beispiel diese: Sind Naturgesetze wirklich die sicherste Basis unserer physikalischen Realität? Können biologische Funktionen vollständig auf der physikalistischen Ebene abgebildet werden? Welche Rolle spielt Zielgerichtetheit (Teleologie)?

Wenn man so will, kehrt die seit einigen Jahren beruhigte Fragestellung nach dem Verhältnis von mind und brain im Bereich biologischer und kosmologischer Forschung wieder zurück. Wie realistisch sind unsere wissenschaftlichen Theorien, und inwiefern hilft ein Instrumentalismus als pragmatische Lösung auch auf erkenntnistheoretischer Ebene weiter? Die Fragestellungen werden in dem Blogbeitrag kurz skizziert. Dabei wird auf einen ausführlichen Essay hingewiesen, der dort verlinkt ist – ebenso wie im nebenstehenden Vorschaubild.

Funktion und Teleologie

Eine Übersicht