Blog: Vorbild und Verantwortung

Vieles, vielleicht sogar alles, was auf den ersten Blick gut und klug aussieht, erweist sich auf den zweiten Blick als durchaus zwiespältig, manchmal sogar kontraproduktiv. Unsere Alltagsintuition verlässt uns bei der Einschätzung von ‚Klimawandel‘ und ‚Nachhaltigkeit‘ schmählich. Dazu sind beide Begriffe unscharf und unterbestimmt. Sie beziehen sich vielmehr auf ein weites Feld von Erkenntnissen und Maßnahmen, die zu allererst zur Kenntnis genommen, dann aber abgewogen und konkretisiert werden müssen. Zwischen langfristigen Zielen und kurzfristigen Wirkungen gilt es ebenso zu unterscheiden wie zwischen dem Nah- und den Fernbereich. Um letzteres geht es mir hier: um persönliches Verhalten im Kontext globaler Verflechtungen. Denn nur gut gemeint ist zu wenig.

Man sollte sich aber der Begrenztheit und des Symbolcharakters solcher individuellen Verhaltensweisen klar sein. Zugleich muss man sich schon um mehr Informationen und um den weiteren Blick auf die globalen Zusammenhänge bemühen, der zu dem notwendigen langen Atem motivieren kann, denn den wird es zweifellos brauchen. Das eine zu tun, ohne das andere zu lassen, ist die Devise! – Ausführlich im Blog publicopinia

Persönliches Beispiel und globale Verantwortung

Blog: Unbewältigte Angst

„Wenn ich das Gefühl habe, ich kann nichts tun, ich bin ohnmächtig – dann bieten Verschwörungsmythen ein Ventil für den entstehenden Frust. Wie man insofern präventiv auf Menschen zugeht und auch ihre Lebensbedingungen in den Blick nimmt – das ist freilich eine wirklich komplexe Aufgabe.“ B. Freier, Verfassungsschutzpräsident NRW. – Durch die zunehmende Bedeutungslosigkeit der Großkirchen ist die gesellschaftlich stabilisierende Funktion der christlichen Kirchen, insbesondere von Glaube und Frömmigkeit, verlorengegangen. 

Freikirche in der Schweiz

Somit wird aus dieser Perspektive deutlich, dass moderne, säkulare, kulturell ausdifferenzierte, stark individualisierte Gesellschaften ein ungelöstes Problem haben, was die soziale wie individuelle Sinnstiftung und private Lebensbewältigung betrifft. Angst, Ängste haben eine gewaltige dysfunktionale Sprengkraft, wenn ihnen nicht beizeiten persönlich befriedigend und sozial befriedend begegnet wird. – Mehr im Blog publicopinia

Unbewältigte Angst


publicopinia: Reale Kosten

Dass nicht nur (Bürger-) Kriege, sondern gerade auch fehlende Aussichten auf Bildung und Arbeit (und Freiheitsrechte) Menschen aus ihrer hoffnungslosen Lage in vielen Ländern forttreiben, dass diese Lage angesichts einer wachsenden jungen Generation, die weltweit informiert und vernetzt ist, immer brisanter wird, liegt auf der Hand. Aber auch das beinahe geflügelte Lösungswort von der „grünen Industrie“ und einer gelingenden CO2-Transformation spiegelt mehr Wunschdenken als Realität wider.

UNICEF; Global Foundries

Wir müssen hierzulande und in Europa alles tun, um die Grundlagen der Industrialisierung, von Wirtschaft, Arbeit und Wohlstand zu erhalten und über die großen Veränderungen hinweg positiv zu gestalten. Natürlich sind da auch riesengroße Chancen, aber eben nicht ohne Kosten und Risiko. Technikfeindlichkeit und eine Anti-Growth-Haltung werden uns da freilich kaum helfen, eher Tatkraft, Ideenreichtum und wirtschaftlich-technische Innovationen. Auch dabei geht es eminent um die Zukunftschancen der künftigen Generationen! Mehr im Blog:

Herausforderungen und Kosten

Philosophie: Zeit im Buch

Die Kultur der Schriftlichkeit fand im alten Griechenland statt und ereignete sich als Begründung und Entwicklung einer rationalen Philosophie. Die Schriftlichkeit spielte dadurch eine so besondere Rolle, weil es dabei nicht mehr um hoheitliche Dokumente von Herrschern und Staaten ging, sondern um Gedanken und Meinungen einzelner Menschen, die sie in Büchern niederschrieben und jedem Interessierten, Gebildeten und des Lesens Kundigen zur Verfügung stellten, indem sie diese verkauften und in Bibliotheken sammelten. Dies ist in vielerlei Hinsicht ein gewaltiger neuer Schritt der Kulturentwicklung. 

Bibliothek St. Gallen

Sie veröffentlichen ihre eigenen Gedanken! Das Buch wird zum Medium einer Person. Es dient zur Darlegung individueller Meinungen. Diskussionen entzünden sich mit den Autoren über deren schriftlich vorliegende Texte. Zum einen überbrückt dies räumliche und zeitliche Distanzen. Der abwesende, verstorbene Autor wird nicht mehr nur durch seine Schüler repräsentiert, sondern durch seine Schriften. Man kann sich mit ihnen auseinandersetzen wie mit einem lebenden Gesprächspartner. Die Zeit verflüssigt sich.

Heute erleben wir Kommunikation instantan. Wie nie zuvor ist ein gleichzeitiger Austausch von Meinungen, Bildern, Mitteilungen über Räume und Zeitzonen hinweg möglich – dank des Internets und seiner sozialen Plattformen. Innerhalb einer Dekade hat sich das Kommunikationsverhalten der Menschen weltweit verändert. Das Internet macht alle Kontakte und allen Austausch instantan: sofort, praktisch zur Jetztzeit möglich. Zugespitzt könnte man diese Entwicklung als gegenläufig, als radikalen Gegensatz zu der oben beschriebenen Ausdehnung der Zeit durch die Schriftkultur verstehen, die das Buch ermöglicht hat, das Generationen verbindet und überdauert. Zeit gerinnt zum Jetzt.
— Weiter und mehr im Blog PHOMI

Verflüssigung der Zeit


Politik: Das Humanum

Der Mensch ändert sein gewohntes, als normal erlebtes Verhalten nur, wenn er unbedingt muss. Dies Müssen geschieht kaum aus Einsicht, sondern nur aus äußerem Zwang. Das gilt besonders dann, wenn sich in der zurückliegenden Zeit die Umstände des Lebens subjektiv verbessert haben, – Angenehmes wird schnell zur Gewohnheit. Umgekehrt wird kaum etwas als so bedrohlich angesehen wie sozialer oder individueller Abstieg. Ein Aufstieg zu mehr Wohlstand, Wohlergehen und zur vermehrten Erfüllung individueller Wünsche wird dagegen gerne angenommen und bald als Normalzustand erlebt, auf den man Anspruch zu haben meint.

Gelbwesten in Frankreich

Nur äußere Not bringt den Menschen zur Änderung seines Verhaltens. Politische Maßnahmen gehören nicht dazu. Sie werden sofort als von Menschen verantwortet, von Interessen geleitet und als „alternativlos“ behauptet und eingeengt durchschaut. Wenn erkennbar gemacht würde, welche Alternativen zu welchen Kosten es gibt (übrigens auch für Rente, Pflege usw.) und wenn zugleich der moralische Absolutheitsanspruch der (jugendlichen) Aktivisten relativiert würde, wäre zumindest die Möglichkeit einer vernünftigen, auf Interessenausgleich zielenden gesellschaftlichen Diskussion gegeben. –
Mehr im Blog publicopinia

Grenzen des Humanum