Religion: Ostern analysiert

Ostern hat in der christlichen Tradition die Auferstehung Jesu Christi zum Inhalt. Analysieren wir diesen Satz. – Ostern ist der Name eines Festes, der in allen christlichen Kirchen und Gemeinden, welcher Ausrichtung und Prägung auch immer, gefeiert wird. Als ein besonderes Fest gehört es zu den Grundgegebenheiten einer religiösen Gemeinschaft von Menschen, die sich als Christen verstehen. Als gemeinsam begangenes Fest ist es ein Ereignis, das einen wesentlichen kommunikativen Akt im religiösen und sozialen Leben einer Kirche / Gemeinde ausmacht, die „christliche Kirche“ ist, – hier und jetzt.

Grünewald, Auferstehung
Mathias Grünewald, Isenheimer Altar

Das christliche Osterfest ist mit bestimmten Geschichten verbunden, die als „Ostergeschichten“ zum Kernbestand des neutestatmentlichen Teils der Bibel gehören. Ihre Nacherzähung, Wiederholung, symbolisch-liturgische Darstellung, (z.B. Kreuzwege, Feiern der Osternacht usw.), autoritative und performante „Verkündigung“ bestimmen das inhaltliche Zentrum der christlichen Religion, sofern es darin um einen vergegenständlichten Teil eines Glaubens, einer religiösen Überzeugung, einer theologischen und existentiellen „Wahrheit“ geht. Die mit den Ostergeschichten einhergehenden Ansprüche an Glaubwürdigkeit und Wahrheit sind außerordentlich hoch. Sie gilt es zu prüfen. (.art)

Mehr im Blog Phomi:

Ostern analysiert

Philosophie: Universalität der Vernunft

Wir sind beim Thema der sozialen Konstruktion, ein Thema, das heute mit dem Stichwort Identität großen Raum und Widerhall gefunden hat. Was wenn das mit dem ‚freien Geist‘ nur eine Fiktion wäre, wenn die Selbständigkeit nur auf einer großen Selbsttäuschung beruhte, weil mich im Grunde die sozialen, kulturellen und gendermäßigen Leitplanken der traditionellen Herkunftsüberzeugungen in gruppenspezifischen Schranken unentrinnbar festhalten? Da wird dann ein Weißer zugleich mit der kolonialen Weltsicht geboren und der Farbige als der immer schon Unterdrückte und Ausgegrenzte, dessen Selbstverständnis und Selbstdefinition nur er / sie selbst authentisch leisten kann – und nicht irgend eine allgemeine Vernunft.

Konfuzius
Konfuzius – BR

Wer heute die Gruppe, ihre Besonderheit, ihren Kodex, ihre vermeintliche oder wirkliche Diskriminierung absolut setzt, befindet sich auf dem Weg zu den Parallelgesellschaften der Clans oder zu den völkischen Segregationen, die zum Faschismus führten. – Die berechtigten Interessen von Gruppen in unserer Gesellschaft, die sich nicht wertgeschätzt sehen oder ausgegrenzt erleben, können nur im freien Dialog zur Geltung gebracht werden. Die Universalität der Vernunft ist dabei die Quelle für Verständigung und Gerechtigkeit der Menschen untereinander. –
Mehr dazu im Blog phomi:

Vernunft und Universalität

.art

Unreformierbar

Die römisch-katholische Kirche scheint krank zu sein, und Mittel zur Heilung liegen so nahe: Zölibat aufgeben, Frauen zum Priesteramt zulassen, Synoden und Entscheidungsprozesse demokratisieren. Hört man hierzulande auf Stimmen von „Maria 2.0“ und aus dem „Synodalen Weg“, könnte man an einen baldigen Erfolg glauben. Es wird wohl kaum so kommen. Weltweit dominieren konservative Richtungen – katholisch wie evangelisch.

Christentum
Christentum (c) Lisa Rienermann

Ich wünschte mir, es gäbe auch im Christentum ähnlich wie im Judentum und im Islam eine liberale Richtung, jenseits von evangelisch – katholisch, – also liberale, moderne und junge Gemeinden, die sich unabhängig von ihren ursprünglichen Kirchen etablieren, nicht in Gegnerschaft, sondern (soweit möglich) „innerhalb“ und „außerdem“. Ich weiß, dass es da jenseits des alten und im Grunde überholten Konfessionalismus große Gemeinsamkeiten, Bedürfnissse und Ideen gibt. – Mehr im Blog Publicopinia

Unreformierbar

.art

Schnipsel: „PoC“

Denke nach über die Bezeichnung „People of Color“ für Menschen nicht-weißer Hautfarbe. Soweit ich sehe, ist es die am wenigsten diskriminierende um am meisten akzeptierte (Selbst-) Bezeichnung nicht-weißer Menschen. „Nicht-weiß“ ist natürlich ein fataler Ausdruck, weil danach „weiß“ der Maßstab ist. Aber bin ich als „Weißer“ tatsächlich von weißer Hautfarbe?

Biologisch und natürlich gesehen stimmt das nicht, allenfalls „hell“, so wie es demgegenüber auch nur „dunkel“ als Hauttyp gibt. In der Wissenschaft werden Hauttypen von I – VI einfach durchgezählt. Schön wäre es, wenn man auch im Alltagsgebrauch nur von helleren oder dunkleren Hauttypen ausgehen könnte. Denn die Färbung der Haut und der Haare eignet sich überhaupt nicht für eine Kategorisierung im Alltag. Menschen unterscheiden sich vielleicht in Temperamenten oder Charaktermerkmalen oder Funktionen, aber gewiss nicht nach Haut“farben“ bzw. Hauttypen.

People of Color
People of Color (c) apa.org

Nun ist die Zuweisung des Merkmals „weiß“ oder „schwarz“ eben keine Bezeichnung eines natürlichen Merkmals, sondern eines sozialen oder sogar politischen Status. „Weiß“ bedeutet dann „normal“ (bevorzugt, mit „natürlichen“ Vorrechten), „schwarz“ nicht-normal, zweitklassig, unterprivilegiert bzw. bewusst benachteiligt. Als solche soziale Kategorien sind „weiß“ und „schwarz“ tatsächlich rassistisch: Es gibt kein neutrales „weiß“.

Insofern ist die Bezeichnung „People of Color“ (PoC) durchaus ein gangbarer Weg, Menschen mit dunklerer Hautfarbe nicht-diskriminierend zu bezeichnen im Unterschied zu „weißen“. Aber was ist mit der Bezeichnung „weiß“ selbst? Sie bleibt doch rassistisch, wie immer man es wendet. Ich möchte wie jeder andere ein „Mensch mit Hautfarbe“ sein, in meinem Fall eben mit einer hellen. Aber „PoC“ kann ich nicht sein, denn dieser Begriff besteht nur in der Unterscheidung von „Weißen“.

Es bleibt unbefriedigend, so unbefriedigend und unakzeptabel wie die Realität des Rassismus unter Menschen. Wir haben noch einen langen Weg zu gehen…

.art

Politik: 2 Strategien

Klima und Pandemie 2

Es gibt zwei grundsätzlich entgegengesetzte Strategien, großen Krisen zu begegnen: (A) hinnehmen oder (B) bekämpfen. Hinnehmen bedeutet Veränderungen ignorieren, solange das geht, und schließlich Verhalten anpassen, soweit das geht. Dabei werden nur wenige Einschränkungen hingenommen und Opfer möglichst ausgegrenzt. – Bekämpfen bedeutet, Ursachen der Veränderung vermeiden oder durch Verhaltensänderung zurückdrehen, um Status quo zu erhalten oder, besser, einen Zustand quo ante zu erreichen. 

Klimawandel ESA
Klimawandel ESA

Man könnte (A) den liberalen, individualistischen Weg nennen und (B) den konservativen, sozialen Weg. In beiden aktuellen Fällen, der Klimakrise und der Coronakrise, verfolgen die meisten Staaten einen Mittelweg irgendwie zwischen beiden Alternativen hindurch: pragmatisch, „auf Sicht“, etwas verändern, aber vorsichtig und nicht zu viel umsteuern. Ziel bleibt das Erreichen des Status quo ante: so wie’s vorher war.

Weiter im Blog publicopinia:

Gegensätzliche Strategien

.art